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Klausuren, Nebenjob, Zukunft: Wie viel Stress haben Jugendliche in Iserlohn?

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Max L.
18.05.2026, 10:36 Uhr ca. 4 Min.
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Viele Jugendliche in Iserlohn und im Märkischen Kreis stehen zwischen Schule, Leistungsdruck, Nebenjob und Zukunftsangst. Der Alltag wird für viele immer voller – und echte Pausen werden seltener.


Einstieg


Iserlohn/Märkischer Kreis. Erst Unterricht, dann Hausaufgaben, später noch Training, Nebenjob, Fahrschule oder Nachhilfe. Für viele Jugendliche ist Schule längst nicht mehr nur der Vormittag im Klassenzimmer. Sie bestimmt oft den ganzen Tag.

Dazu kommt der Druck, gute Noten zu schreiben, den richtigen Abschluss zu schaffen und früh zu wissen, wie es nach der Schule weitergehen soll. Ausbildung, Abitur, Studium, Fachabi oder direkt arbeiten – viele Entscheidungen fühlen sich für Jugendliche größer an, als sie eigentlich sein sollten.


1. Schule endet nicht mit dem Klingeln


Für viele Schülerinnen und Schüler ist nach Schulschluss nicht wirklich frei. Wer nach Hause kommt, muss oft noch lernen, Hausaufgaben machen oder sich auf die nächste Klausur vorbereiten. Besonders in Klassenarbeitsphasen kann sich der Alltag schnell wie ein Dauerlauf anfühlen.

In Iserlohn und im Märkischen Kreis kommt noch ein weiterer Punkt dazu: Viele Jugendliche wohnen nicht direkt neben ihrer Schule. Wer aus Letmathe, Hemer, Menden oder kleineren Ortsteilen kommt, ist auf Busse, Eltern oder später den eigenen Führerschein angewiesen. Dadurch wird der Tag oft noch länger.

Wenn dann noch ein Nebenjob dazukommt, bleibt kaum Zeit zum Abschalten. Viele Jugendliche arbeiten neben der Schule, um eigenes Geld zu haben oder ihre Familie zu entlasten. Das kann sinnvoll sein, erhöht aber auch den Druck.


2. Noten fühlen sich oft wie Zukunft an


Eine schlechte Klassenarbeit ist für viele Jugendliche nicht einfach nur eine schlechte Note. Sie fühlt sich schnell so an, als würde sie die ganze Zukunft beeinflussen.

Schon in der Mittelstufe geht es um Abschlüsse, Kurse und Bewerbungen. In der Oberstufe wird der Druck oft noch größer. Klausuren, Präsentationen und Facharbeiten kommen dazu. Gleichzeitig sollen Jugendliche schon wissen, welchen Beruf sie später machen möchten.

Viele Erwachsene sagen zwar, dass eine einzelne Note nicht alles entscheidet. Für Jugendliche fühlt es sich aber oft anders an. Wer ständig hört, dass gute Leistungen wichtig für die Zukunft sind, nimmt schlechte Noten automatisch ernster.


3. Stress merkt man nicht immer sofort


Schulstress sieht man nicht immer von außen. Manche Jugendliche schreiben gute Noten und wirken trotzdem überfordert. Andere sind stiller, müder oder schneller gereizt. Wieder andere machen einfach weiter, obwohl sie eigentlich eine Pause bräuchten.

Stress kann sich unterschiedlich zeigen. Manche bekommen Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen. Andere schlafen schlechter, können sich nicht konzentrieren oder fühlen sich dauerhaft erschöpft.

Das Problem ist: Viele nehmen solche Anzeichen nicht ernst genug. Sätze wie „Das ist halt Schule“ oder „Da mussten wir alle durch“ helfen wenig. Sie sorgen eher dafür, dass Jugendliche ihre Belastung nicht offen ansprechen.


4. Social Media macht den Druck nicht kleiner


Neben Schule, Noten und Zukunft spielt auch Social Media eine Rolle. Auf Instagram, TikTok oder Snapchat sieht man ständig, was andere machen, wie sie aussehen oder was sie erreicht haben. Dadurch entsteht zusätzlicher Vergleich.

Wer lernen muss, sieht vielleicht andere auf Partys, beim Sport oder im Urlaub. Wer selbst gestresst ist, sieht online oft nur perfekte Ausschnitte aus dem Leben anderer. Das kann das Gefühl verstärken, nicht genug zu schaffen.

Außerdem ist echte Erholung schwieriger, wenn das Handy immer dabei ist. Selbst in Pausen wird weiter gescrollt, geschrieben oder verglichen. Der Kopf kommt dadurch kaum zur Ruhe.


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Quellenangaben

WHO Europa: Bericht zur HBSC-Studie über zunehmenden Schuldruck bei Jugendlichen (https://www.who.int/europe/de/news/item/13-11-2024-rising-school-pressure-and-declining-family-support-especially-among-girls--finds-new-who-europe-report), HBSC Deutschland: Studie zur Gesundheit und zum Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen (https://www.hbsc-germany.de/studie), Robert Koch-Institut: Ergebnisse der HBSC-Studie 2009/10 bis 2022 zu Gesundheit und psychosomatischen Beschwerden (https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Journal-of-Health-Monitoring/GBEDownloadsJ/Focus/JHealthMonit_2024_01_Subjektive_Gesundheit.html), Märkischer Kreis: Regionale Schulberatungsstelle (https://www.maerkischer-kreis.de/bildung/regionale-schulberatungsstelle), AWO Hagen/Märkischer Kreis: Schulpsychologische Beratung (https://www.awo-ha-mk.de/beratung-hilfe/schulpsychologische), Bild ChatGPT 2026