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POLIZEI & SICHERHEIT

Wenn der Schulweg zur Gefahr wird: Polizei meldet sechs Unfälle im Märkischen Kreis

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Darian S.
18.05.2026, 15:14 Uhr ca. 10 Min.
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Märkischer Kreis. Für viele Kinder und Jugendliche beginnt der Schultag nicht erst im Klassenzimmer, sondern schon auf dem Weg dorthin. Zu Fuß, mit dem Fahrrad, im Bus, auf dem E-Scooter oder im Auto der Eltern: Der Schulweg gehört für tausende Familien im Märkischen Kreis zum Alltag. Doch dieser Alltag ist nicht immer ungefährlich.


Eine Anfrage der Märkischen Zentralzeitung bei der Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis zeigt: Im Jahr 2025 wurden im Kreis insgesamt sechs Schulwegunfälle registriert. Die Folgen waren teilweise erheblich. Nach Angaben der Polizei wurde ein Kind getötet, ein Kind schwer verletzt und vier Kinder leicht verletzt. Im Vorjahr waren es drei Schulwegunfälle gewesen.


Damit hat sich die Zahl der registrierten Schulwegunfälle im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Gleichzeitig macht die Polizei deutlich: Konkrete Unfallschwerpunkte im Umfeld von Schulen liegen derzeit nicht vor. Auch besondere Schwerpunkte in einzelnen Städten oder Bereichen nennt die Behörde nicht.


Keine bekannten Unfallschwerpunkte aber jeder Unfall zählt


Dass die Polizei keine festen Schwerpunkte nennt, ist eine wichtige Einordnung. Es bedeutet: Nach derzeitigem Stand gibt es im Märkischen Kreis offenbar keinen einzelnen Ort, an dem sich Schulwegunfälle auffällig häufen. Trotzdem zeigen die Zahlen, wie sensibel das Thema bleibt.


Sechs Schulwegunfälle in einem Jahr mögen auf den ersten Blick nach einer kleinen Zahl wirken. Doch hinter jeder Zahl steht ein Kind, eine Familie, eine Schule und ein Moment, der sich nicht einfach statistisch wegklären lässt. Besonders die schweren Unfallfolgen im Jahr 2025 machen deutlich, warum Verkehrssicherheit auf Schulwegen mehr ist als ein Randthema.


Schulwege sind Orte, an denen vieles gleichzeitig passiert: Eltern bringen Kinder zur Schule, Busse halten, Schüler laufen über Straßen, Fahrräder kreuzen, Autos suchen Parkplätze, manchmal kommen E-Scooter hinzu. Gerade morgens, wenn viele Menschen unter Zeitdruck unterwegs sind, können kleine Fehler große Folgen haben.


Polizei setzt auf Prävention statt nur auf Kontrolle


Die Antwort der Kreispolizeibehörde zeigt aber auch: Die Polizei wartet nicht erst, bis etwas passiert. Sie setzt im Märkischen Kreis jedes Jahr auf zahlreiche Maßnahmen zur Verkehrsunfallprävention.


Dazu gehören Verkehrserziehung in Kindertageseinrichtungen, Radfahrausbildung an Grundschulen, Schülerlotsenausbildungen an weiterführenden Schulen und das Landespräventionsprogramm „Crash Kurs NRW“ für Jugendliche und junge Erwachsene. Außerdem gibt es Fahrsicherheitstrainings für verschiedene Zielgruppen, Pedelec-Trainings für Seniorinnen und Senioren sowie Präventionsaktionen zu aktuellen Problemstellungen in der Verkehrssicherheitsarbeit.


Gerade dieser präventive Ansatz ist entscheidend. Verkehrssicherheit entsteht nicht nur durch Kontrollen, sondern durch frühes Lernen, Wiederholung und Bewusstsein. Kinder müssen lernen, Gefahren einzuschätzen. Jugendliche müssen verstehen, wie riskant Ablenkung, Geschwindigkeit oder Leichtsinn im Straßenverkehr sein können. Erwachsene wiederum tragen Verantwortung, wenn sie mit dem Auto im Umfeld von Schulen unterwegs sind.


Radfahrausbildung, Schülerlotsen und Crash Kurs NRW


Ein besonderer Schwerpunkt liegt laut Polizei auf Kindern und Jugendlichen. In Kindertageseinrichtungen geht es vor allem um grundlegende Verkehrserziehung. In Grundschulen steht die Radfahrausbildung im Mittelpunkt. An weiterführenden Schulen unterstützt die Polizei die Ausbildung von Schülerlotsinnen und Schülerlotsen.


Das ist besonders wichtig, weil Schülerlotsen im Alltag oft an Stellen helfen, an denen es morgens unübersichtlich wird. Sie sorgen nicht allein für Sicherheit, aber sie können Orientierung geben, Aufmerksamkeit schaffen und gefährliche Situationen entschärfen.


Für Jugendliche und junge Erwachsene spielt außerdem „Crash Kurs NRW“ eine Rolle. Das Programm richtet sich an junge Menschen und soll die Risiken im Straßenverkehr besonders eindringlich vermitteln. Nach Angaben der Polizei wurde „Crash Kurs NRW“ im Jahr 2025 an zehn Schulen durchgeführt.


Das zeigt: Verkehrssicherheit wird nicht nur theoretisch behandelt, sondern direkt in die Schulen getragen. Gerade bei jungen Menschen, die bald selbst Auto fahren oder bereits mit E-Scooter, Fahrrad oder Moped unterwegs sind, kann diese Aufklärung entscheidend sein.


E-Scooter werden neues Thema für die Polizei


Auffällig ist ein weiterer Punkt aus der Antwort der Polizei: E-Scooter spielen eine zunehmende Rolle. Die Behörde schreibt, dass die Beteiligung von E-Scooterfahrenden am Unfallgeschehen stetig zunimmt. Deshalb wurde im Märkischen Kreis ein neues Präventionsprojekt entwickelt: das „Projekt E“.


Dieses Projekt richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 7. Damit reagiert die Polizei auf eine Entwicklung, die viele Städte betrifft. E-Scooter sind schnell verfügbar, wirken unkompliziert und werden von Jugendlichen oft als normale Alltagsmobilität wahrgenommen. Gleichzeitig unterschätzen viele die Risiken: zu zweit fahren, ohne Helm unterwegs sein, Ablenkung durch das Handy, Fahren auf Gehwegen oder riskante Manöver im Straßenverkehr.


Dass die Polizei dieses Thema aktiv aufgreift, ist ein positives Signal. Es zeigt, dass Verkehrssicherheitsarbeit nicht stehen bleibt, sondern neue Entwicklungen berücksichtigt. Schulwegsicherheit bedeutet heute eben nicht mehr nur Zebrastreifen, Fahrradprüfung und Ampeltraining. Auch neue Mobilitätsformen müssen einbezogen werden.


Elterntaxis bleiben ein Problemthema


Ein weiteres Thema, das viele Schulen kennen, sind sogenannte Elterntaxis. Gemeint sind Eltern, die ihre Kinder direkt bis vor die Schule fahren. Was gut gemeint ist, kann vor Schulen schnell zu gefährlichen Situationen führen: haltende Autos, Wendemanöver, blockierte Sicht, enge Straßen und Kinder, die zwischen Fahrzeugen die Straße überqueren.


Die Polizei nennt als aktuelles Beispiel die Adolf-Reichwein-Gesamtschule am Eulenweg in Lüdenscheid. Gleichzeitig betont sie, dass sie bei solchen Problemstellen nicht allein tätig wird. Stattdessen komme es auf Zusammenarbeit mit Netzwerkpartnern an, insbesondere mit der betroffenen Schule und den zuständigen Ordnungsämtern.


Das ist ein wichtiger Punkt: Schulwegsicherheit ist keine Aufgabe einer einzelnen Behörde. Polizei, Schulen, Städte, Eltern, Schüler und Verkehrsbetriebe müssen zusammenarbeiten. Die Polizei kann kontrollieren, beraten und Prävention anbieten. Doch wenn es um Verkehrsführung, Haltezonen, Beschilderung oder bauliche Veränderungen geht, sind auch andere Stellen gefragt.


Hinweise aus der Bevölkerung werden geprüft


Nach Angaben der Polizei gibt es regelmäßig Hinweise aus der Bevölkerung zu Orten, an denen zu schnell gefahren werden soll. Solche Stellen würden häufig bereits durch den Verkehrsdienst oder die Beamtinnen und Beamten der Wachen im Rahmen der Verkehrsüberwachung angefahren und kontrolliert.


Neue Stellen werden nach Eingang einer Meldung überprüft. Wenn sich entsprechende Feststellungen ergeben, können sie in Kontrollstellen aufgenommen werden.


Das zeigt: Bürgerhinweise können eine Rolle spielen. Wer gefährliche Situationen beobachtet, sollte sie nicht nur in sozialen Netzwerken posten, sondern an die zuständigen Stellen weitergeben. Gerade bei wiederkehrenden Problemen vor Schulen, an Bushaltestellen oder an schlecht einsehbaren Kreuzungen kann eine offizielle Meldung wichtig sein.


Schulwegpläne sollen Eltern und Kindern helfen


Für Grundschulkinder und ihre Eltern verweist die Polizei außerdem auf Schulwegpläne. Diese Pläne zeigen nicht immer den kürzesten Weg zur Schule, sondern den sichersten. Sie markieren Gefahrenpunkte an Querungshilfen, Kreuzungen oder Einmündungen.


Das klingt unspektakulär, ist aber im Alltag wichtig. Viele Familien wählen automatisch den kürzesten Weg. Der sicherste Weg kann aber ein anderer sein: vielleicht mit einer Ampel statt einer unübersichtlichen Querung, mit einem breiteren Gehweg oder mit weniger Verkehr.


Gerade für jüngere Kinder ist Routine entscheidend. Ein sicherer Schulweg sollte gemeinsam geübt werden. Eltern können mit ihren Kindern Gefahrenstellen besprechen, Blickkontakt mit Autofahrern erklären und klare Regeln für Kreuzungen, Ampeln und Einfahrten festlegen.


Warum die Zahlen trotzdem ernst genommen werden müssen


Die Verdopplung von drei auf sechs Schulwegunfälle bedeutet nicht automatisch, dass Schulwege im gesamten Märkischen Kreis generell unsicherer geworden sind. Dafür wären längere Zeitreihen und genauere Daten nötig. Die Polizei verweist auf ihre öffentlich einsehbare Verkehrsunfallstatistik, in der Zahlen bis ins Jahr 2013 abrufbar sind.


Trotzdem ist der Anstieg ein Anlass, genauer hinzuschauen. Besonders die Unfallfolgen im Jahr 2025 zeigen, dass Schulwegsicherheit nicht unterschätzt werden darf. Ein getötetes Kind, ein schwerverletztes Kind und vier leichtverletzte Kinder sind keine abstrakten Zahlen.


Für Familien ist der Schulweg ein Vertrauensraum. Eltern müssen darauf vertrauen können, dass ihre Kinder möglichst sicher zur Schule kommen. Schulen müssen darauf achten, dass Bring- und Abholsituationen nicht chaotisch werden. Städte müssen sichere Wege, Querungen und Beschilderungen im Blick behalten. Und Verkehrsteilnehmer müssen besonders im Umfeld von Schulen vorsichtig fahren.


Polizei zeigt klare Präsenz in der Prävention


Die Antwort der Kreispolizeibehörde macht deutlich, dass das Thema Verkehrssicherheit im Märkischen Kreis breit bearbeitet wird. Von Kindertagesstätten über Grundschulen bis hin zu weiterführenden Schulen gibt es verschiedene Programme und Maßnahmen. Auch neue Risiken wie E-Scooter werden aufgegriffen.


Das ist wichtig, weil Schulwegsicherheit nicht erst bei einem Unfall beginnt. Gute Prävention setzt vorher an: bei Kindern, bei Jugendlichen, bei Eltern und bei allen, die im Straßenverkehr Verantwortung tragen.


Die Polizei nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. Sie liefert Daten, kontrolliert auffällige Stellen, reagiert auf Hinweise und bringt Präventionsangebote direkt zu den Zielgruppen. Gerade diese Kombination aus Statistik, Aufklärung und praktischer Verkehrserziehung ist wichtig, um Risiken langfristig zu senken.


Was Eltern und Schüler jetzt tun können


Auch Familien selbst können etwas beitragen. Eltern sollten den Schulweg mit jüngeren Kindern regelmäßig üben und nicht nur einmal vor Schulbeginn ablaufen. Wichtig ist, mögliche Gefahrenstellen bewusst anzusprechen: Wo muss besonders geschaut werden? Wo fahren Autos schnell? Wo ist eine Ampel sicherer als eine Abkürzung?


Jugendliche sollten besonders bei E-Scootern, Fahrrädern und Smartphones vorsichtig sein. Ablenkung im Straßenverkehr ist ein echtes Risiko. Wer mit Kopfhörern, Handy oder Tempo unterwegs ist, reagiert später. Gerade morgens und nach Schulschluss, wenn viele Menschen gleichzeitig unterwegs sind, kann das gefährlich werden.


Autofahrer sollten im Umfeld von Schulen besonders langsam und aufmerksam fahren. Auch kurze Haltemanöver können gefährlich werden, wenn dadurch Sichtachsen blockiert oder Kinder zum Ausweichen gezwungen werden. Wer sein Kind mit dem Auto bringt, sollte möglichst nicht direkt vor dem Schuleingang halten, wenn dadurch andere gefährdet werden.


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Quellenangaben

Quelle: Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis; schriftliche Antwort auf eine Anfrage der Märkischen Zentralzeitung vom 17. Mai 2026. Ergänzend verweist die Behörde auf die öffentlich einsehbare Verkehrsunfallstatistik des Märkischen Kreises, Bild: ChatGPT (2026).